Nothing but the Truth - Wenn sich VT's in Luft auflösen

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 Wie man seine Behauptungen belegt, so dass man ernst genommen wird

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Galaxys81
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BeitragThema: Wie man seine Behauptungen belegt, so dass man ernst genommen wird   So 3 Nov - 22:40 2069

Ich zitiere:

"Dieses Thema taucht mittlerweile so häufig in den Kommentaren zu meinen Artikeln auf, dass es langsam mal Zeit wird, etwas eigenes dazu zu schreiben: wie belegt man seine Behauptungen so, dass sie von anderen – vor allem den Wissenschaftlern – auch ernst genommen werden?

Normalerweise ist es ja so: in einem Artikel wird Astrologie/Homöopathie/UFO-Glauben/etc kritisiert. Darauf kommen wütendende Antworten die diese und jene Behauptung aufstellen, die die ursprüngliche Kritik widerlegen. Nur diese blöden Wissenschaftler nehmen das einfach nicht ernst! Warum?

   Weil wir alle ignornante Dogmatiker sind, die nichts akzeptieren, was nicht in ihr Weltbild passt?
   Weil wir Die WahrheitTM kennen, sie aber unterdrücken müssen, weil wir in Wirklichkeit zu Ihnen gehören?
   Weil wir nicht fähig sind, uns irgendwas neues oder originelles vorzustellen?

Nein – natürlich nicht. Die meisten dieser Behauptungen werden nicht ernst genommen, weil es hier nichts gibt, das man ernst nehmen muss. Wer mit seinen Behauptungen echtes Interesse bei Wissenschaftlern erregen will, der sollte darauf achten, sie auf die richtige Art und Weise zu belegen.

Ich möchte das ganze am Beispiel der UFOs erklären (aber natürlich lässt sich das alles auch auf andere Themen übertragen). Kurzer Einschub: mit “UFO” meine ich im folgenden immer die umgangsprachliche Bedeutung. Also “außerirdisches Raumschiff” – aber mir ist natürlich klar, dass das nicht die eigentliche Bedeutung ist.

UFOs sind cool!

UFOs eignen sich deswegen recht gut, um das alles zu erklären, weil sie im Gegensatz zu vielen anderen esoterischen oder pseudowissenschaftlichen Themen prinzipiell durchaus vorstellbar sind. Wir Menschen sind in der Lage, andere Himmelskörper zu erreichen (zumindest beim Mond haben wir es schon ausprobiert). Und wenn wir uns wirklich Mühe geben würden und unvorstellbar viel Geld und Zeit investieren würden, dann könnten wir auch Raumschiffe bauen, die Menschen zu anderen Sternen und vielleicht auch extrasolaren Planeten bringen. Das es diese Planeten gibt, wissen wir mit Sicherheit. Und auch die Suche nach außerirdischem Leben und habitablen Planeten ist kein “Pfui”-Thema in der Wissenschaft sondern ein höchst aktiver und seriöser Forschungszweig der Astronomie bzw. Astrobiologie.

Rein prinzipiell spricht also absolut nichts gegen die Möglichkeit, dass unsere Erde von außerirdischen Lebewesen besucht wird. Und die Idee, dass so etwas tatsächlich passiert, ist auch für Wissenschaftler attraktiv und verlockend! Wir suchen mühsam nach Leben außerhalb der Erde: am Mars, in anderen Sonnensystem,… Wieviel einfacher wäre es, wenn dieses Leben zu uns auf die Erde kommen würde und wir es direkt studieren könnten? Was könnten wir von solchen Wesen alles lernen? Und wir müssten gar nicht mit ihnen kommunizieren – allein der Beweis ihrer Existenz wäre eine gewaltige Sache!

UFOs sind also nicht nur prinzipiell möglich, die meisten Wissenschaftler fänden sie auch höchst faszinierend. Das gilt prinzipiell für neue, aufregende und revolutionäre Ideen. Auch wenn es immer Widerstand geben mag (in der Wissenschaft muss man immer auch ein wenig konservativ sein) – am Beispiel Relativitätstheorie oder Quantenphysik zeigt sich, wie schnell sich eine neue Idee duchsetzen kann. Egal wie absurd sie anfänglich erscheinen mag (und die beiden genannten Beispiele erscheinen zunächst höchst absurd) – wenn die Daten gut genug sind, dann wird sich eine gute und richtige Idee immer durchsetzen.

Warum werden also die vielen UFO-Berichte von den meisten Wissenschaftlern trotzdem ignoriert? Weil die Daten eben nicht gut genug sind. Ein wichtiger Punkt wird von den UFO-Fans immer gerne ignoriert: nur weil etwas möglich ist, heisst das nicht, dass es auch automatisch richtig sein muss! Ich habe oben geschrieben, dass es prinzipiell möglich sei, dass außerirdische Raumschiffe die Erde besuchen. Das ist richtig – es ist aber enorm unwahrscheinlich! Auch Aliens müssen sich an die Naturgesetze halten und die unvorstellbar großen Entfernungen zwischen den Sternen sind nicht so leicht zu überwinden wenn man diese Naturgesetze nicht verletzen will.

Nicht alles was möglich ist, ist auch wahr!

Nicht alle möglichen Erklärungen für ein und dasselbe Phänomen sind auch gleich wahrscheinlich. Und je unwahrscheinlicher ein Phänomen ist; je außergewöhnlicher die Behauptung, desto besser müssen die Belege sein.

Ein Beispiel: wenn ich hier und jetzt behaupte, ich hätte heute nachmittag ein Flugzeug in der Luft fliegen sehen, dann ist diese Behauptung so trivial, dass sie mir jeder ohne Beleg glauben wird. Das Flugzeuge am Himmel fliegen, ist völlig normal, das braucht keine gesonderten Beweise. Wenn ich behaupte, ich hätte ein Flugzeug der Lufthansa gesehen, auf dem in großen Buchstaben außen “Guido Westerwelle ist doof!” geschrieben steht, dann ist das prinzipiell auch möglich. Vielleicht haben sich ein paar Mitarbeiter einen Karnevalsscherz erlaubt? Kann ja durchaus sein. Aber damit man mir das glaubt, sollte ich wohl zumindest ein Foto des Flugzeugs vorweisen können. Wenn ich nun aber behaupte, ich hätte kein Flugzeug gesehen, sondern eine fliegende Unterasse, die im Wald gelandet ist und aus der dann zwanzig Westerwelle-Klone ausgestiegen sind und die Internationale gesungen haben bevor sie wieder davon flogen, dann werden die Leser von mir wohl zu Recht sehr, sehr gute Belege verlangen, bevor sie das glauben (obwohl nichts an der Geschichte prinzipiell unmöglich ist!).

Außergewöhnliche Behauptungen brauchen also außergewöhnlich gute Belege! Aber welche können das sein?


Gruslige Vorstellung! (Bild: @Naturalismus)

Ich kann die Geschichte meiner Westerwelle-Klone detailliert aufschreiben. Aber das alleine reicht wohl nicht. Würdet ihr die Geschichte glauben, wenn ich noch fünf Freunde anbringe, die meine Story bestätigen? Zehn Freunde? Zwanzig? Im Prinzip ist es egal – Anekdoten oder Zeugenaussagen sind als Beweis für außergewöhnliche Behauptungen nicht gut genug. Anekdoten sind keine Daten!. Egal wie überzeugend meine Story ist – ohne weitere Belege gibt es keine Möglichkeit, wie man sie unabhängig überprüfen könnte. Man müsste mir einfach glauben und das reicht nicht.

Würde es helfen, wenn ihr hört, dass die Geschichte mit den geklonten Westerwelles von einem Doktor der Astronomie stammt? Einem Universitätsprofessor? Einem Spitzenpolitiker? Einem Nobelpreisträger? Auch das ist allerdings irrelevant. Auch Authorität macht eine Behauptung nicht gültig. Kein Mensch ist unfehlbar – und auch Nobelpreisträger reden manchmal großen Unsinn. Jede Behauptung muss für sich selbst geprüft werden ohne dabei auf die Titel und Vorleistungen desjenigen zu schauen, der sie geäußert hat. Ganz nebenbei: das ist auch ein gutes Indiz, um Pseudowissenschaft zu erkennen. Sieht man irgendwo eine Schwemme von akademischen Titeln, sollte man vorsichtig sein. In echten wissenschaftlichen Publikationen werden normalerweise keine Titel aufgeführt.

Würdet ihr an die Westerwelle-Klone aus dem All glauben, wenn die Nachricht nicht hier in meinem Blog oder einem Internetforum steht, sondern einer Zeitung? Im Böblinger Boten? Der BILD-Zeitung? Der FAZ?

Schreib deinen Kram auf…

Hier kommen wir der Sache schon näher. Wenn die Geschichte sich von einer von mir selbst erzählten Anekdote zu einer Story in einer Zeitung gewandelt hat, dann hat es irgendwo dazwischen (hoffentlich) zumindest den Ansatz einer Qualitätskontrolle gegeben. Irgendjemand muss meine Westerwelle-Geschichte gehört haben, darüber nachgedacht haben, vielleicht auch recherchiert haben und hat sich dann entschieden, sie weiterzuverbreiten. Wenn das alles kompletter Unsinn wäre, dann würde das ja wohl nicht passieren, oder?

Oder doch? Glauben wir der BILD-Zeitung, wenn sie berichtet dass ein Schaf mit Menschengesicht geboren wurde? Kann nicht selbst ein FAZ-Redakteur mal einen Fehler machen? Niemand kann Experte für alles sein und alles richtig einschätzen. Zeitungen sind daher auch nicht wirklich verläßlich – zumindest nicht dann, wenn es um außergewöhnliche Behauptungen geht.

Wie steht es mit Büchern? Da gibt es doch einen Verlag, einen Lektor – usw. Da wird doch auch geprüft? Theoretisch schon. Aber so wie es Zeitungen mit unterschiedlichen Qualitätskritierien gibt, gibt es auch Verlage, die unterschiedliche Ansprüche stellen. Manche interessiert es nicht wirklich, ob das, was sie veröffentlichen etwas mit der Realtität zu tun hat oder nicht – Hauptsache es verkauft sich gut. Andere Verlage haben größeren Anspruch und manche überhaupt keinen. Mittlerweile ist es ja kein Problem mehr, meine Bücher im Selbstverlag zu veröffentlichen bzw. bei einem Pseudoverlag, der alles druckt, solange man nur dafür bezahlt.

Bücher sind also auch nicht das wahre. Alles was ich über Bücher gesagt habe, gilt auch für die übrigen Medien. Also Radio, Fernsehen, Internet,… Nichts davon ist wirklich verläßlich, wenn es um den Beleg außergewöhnlicher Behauptungen geht.

… und lass ihn überprüfen!

Aber was ist denn nun verläßlich? Wie belegen Wissenschaftler ihre Behauptungen? Sie veröffentlichen ihre Forschung in sogenannten peer-reviewten Journalen. Das sind Fachzeitschriften, für die sehr hohe Qualitätsstandards gelten. Nachdem man seine Thesen aufgestellt, seine Daten beschrieben und seine Schlüsse gezogen hat, schreibt man alles vernünftig auf und sendet es an eine solche Fachzeitschrift. Dort sitzt ein Editor der das ganze erstmal auf eine prinzipielle Plausibilität prüft. Wenn ich dort nur mit meiner Abenteuergeschichte “Wie ich einmal ein UFO von der FDP im Wald gesehen habe” ankommen, dann wird der Editor meinen Artikel schnell in den Mülleimer werfen. Wenn ich aber meine Geschichte vernünftig dokumentiert habe; Fotos gemacht habe; vielleicht auch noch Hautproben der Westerwelle-Klone genommen und Genanalysen gemacht habe; ein paar Materialproben des UFOs gesammelt habe und eine plausible Idee entwickelt habe, warum da überhaupt ein UFO mit Politikerklonen rumfliegen sollte – dann wird der Editor meinen Artikel etwas genauer ansehen. Er wird sich überlegen, welche anderen Experten geeignet wären, meine Behauptungen zu prüfen. Bei so einem extrem außergewöhnlichen Fall wird er vielleicht 5 oder mehr (normalerweise sind es ein oder zwei) sogenannte Referees wählen, die dann – anonym – meine Behauptungen auf Herz und Nieren prüfen. Wenn diese Prüfung positiv ausfällt, dann wird der Artikel endlich gedruckt werden.

Und dann hat man auch endlich absolut verläßliches, wissenschaftlich einwandfreies Material vor sich über das man nicht mehr zu diskutieren braucht? Nein – leider nicht. Nichts ist absolut verläßlich. Und wie ich oben schon gesagt habe – Menschen können sich immer irren: auch Referees und Editoren. Es gibt genug Fälle, in denen sich auch die Ergebnisse in peer-reviewten Journalen als gefälscht oder völlig unsinnig herausgestellt haben.

So etwas lässt sich nie vermeiden. Es gibt keine absolute Sicherheit. Aber der peer-review-Prozeß ist das beste, was wir haben. Er ist die beste Möglichkeit, um die Qualität von Behauptungen zu prüfen. Natürlich kann man auch hier tricksen. Man kann seine Ergebnisse in irgendwelchen obskuren, unbekannten Journalen veröffentlichen die kaum jemand liest. Dann ist die Chance gering dass jemand mangelhafte Arbeiten aufdeckt. Aber dann kann man sich die Arbeit auch gleich sparen; denn ungelesen Arbeiten bringen in der Wissenschaft nicht wirklich was. Jeder Wissenschaftler will, dass seine Arbeit gelesen und zitiert wird. Dabei wird sie aber auch automatisch geprüft – und Fehler werden gefunden werden. Und je außergewöhnlicher die Behauptungen sind, um so mehr Leute werden die Arbeit lesen und prüfen…


Auch wenn Kenneth Arnold ein Bild gemalt hat: es reicht nicht als Beweis.

Qualität: mangelhaft!

Wie sieht es nun mit den UFOs aus? Hier gibt es angeblich Unmengen an Beweisen für die Existenz echter UFOs – zumindest wenn man den UFO-Fans glaubt. Diese Beweise fallen aber fast immer in die oben genannten Rubriken, die hier nicht ausreichen. Meistens werden Zeugenaussagen als “Beweis” angeboten; gerne kombiniert mit der Aussage, es handle sich hier nicht um Spinner sondern um Generäle, Politiker, Prominente – etc. Aber Anekdoten bleiben Anekdoten, auch wenn man sie mit Authorität aufpeppt. Dann gibt es angeblich auch jede Menge unterstützende Daten: Fotos, Videos, Messungen der verschiedensten Art – usw. Aber all diese Daten sind – sofern sie tatsächlich existieren – ungeprüft. Sie sind nicht veröffentlicht oder aber nicht in peer-reviewten Journalen veröffentlicht sondern in Büchern, Internetforen, Fernsehsendungen, etc und damit keiner Qualitätskontrolle unterworfen. Das ist aber bei so außergewöhnlichen Behauptungen nicht akzeptabel."

Quelle und ganzer Artikel: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2010/02/15/wie-man-seine-behauptungen-belegt-so-dass-man-ernst-genommen-wird/
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