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 Die Scharlatanerie der „Germanischen Neuen Medizin“

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Galaxys81
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BeitragThema: Die Scharlatanerie der „Germanischen Neuen Medizin“   Mi 26 Feb - 19:23 5969

Hier ein Auszug von dem Bericht auf der Seite: [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]

"Wenn euer Leben bisher von solchen Dingen wie Schulmedizin, anerkannter Wissenschaft und Vernunft dominiert war, ist es für euch vermutlich neu, dass Ärzte uns giftige Mikrochips unter die Haut pflanzen und Krebs eigentlich gar keine Krankheit ist.

So oder so ähnlich hört es sich zumindest an, wenn ihr euch mit einem Anhänger der „Germanischen Neuen Medizin" oder auch „Germanischen Heilkunde" trefft. Anführer und Aushängeschild dieser Bewegung ist Ryke Geerd Hamer, ein Arzt, der keiner mehr ist, nachdem ihm bereits 1986 die Approbation entzogen wurde.

Außerdem war er bereits mehrmals wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt, da er krebskranken Menschen riet, sie sollten einfach mal entspannen und besser ihre inneren Konflikte lösen, anstatt eine Chemotherapie zu machen.

Auch HIV ist seiner Lehre zufolge nichts weiter als eine Allergie und die konventionelle Behandlung dagegen Schuld am Tod von Millionen von Menschen. Diese Ansicht dürfte ihrerseits bereits erschreckend vielen krebskranken und HIV-infizierten Menschen zum Verhängnis geworden sein, die sich der Germanischen Neuen Medizin verschrieben haben.

Ziel der Germanischen Heilkunde ist laut Aussage von Helmut P., einem jahrelangen Anhänger und Schoßhündchen Hamers, die „Spontanheilung, die unendlich menschlich“ ist. Was er damit im Detail meint, lässt sich genau wie bei Horoskopen und Astralreisen im Eso-Shopping-TV nur schwer sagen. Auch genaue Daten, wie viele Menschen diesen Wahnsinn tatsächlich glauben, sind schwer zu finden. In Deutschland liegt die Zahl der Anhänger, laut eigenen Angaben der Bewegung, bei rund 100.000.

Dass braunes Gedankengut hierzulande aber immer noch weit verbreitet ist und Antisemitismus auch in bürgerlichen Kreisen offen ausgelebt wird, ist leider nichts Neues.

Die Bewegung erregte erstmals 1995 durch den Fall von Olivia P. größere mediale Aufmerksamkeit. Damals wurde das sechsjährige Mädchen wegen Bauchschmerzen routinemäßig untersucht und ein bösartiger Nierentumor diagnostiziert. Auf die Schreckensnachricht reagierten die Eltern ihrem Weltbild entsprechend mit Unverständnis. Der Befund und die vorgeschlagene Behandlungsart waren laut Olivias Erziehungsberechtigten „kompletter Schwachsinn“.

Während die Ärzte den Eltern eindringlich zu einer Chemotherapie ihrer kleinen Tochter rieten, suchte Familie P. Rat bei Ryke Geerd Hamer in Köln. Die Situation eskaliert, als sich Olivias Zustand verschlechtert und sich daraufhin die österreichischen Behörden einschalten, um eine etwaige Entziehung des Sorgerechts und damit einhergehend eine Behandlung der Krankheit auch gegen den Willen der Eltern zu erwirken.

Um diesem Schicksal zu entgehen und sich den Behörden zu entziehen, flüchtete die Familie P. bis nach Spanien. Der Krebs, so diagnostiziert Hamer, sei bei Olivia nicht nur auf einen sogenannten „Wasserkonflikt“, sondern auch auf einen „Nahrungskonflikt“ zurückzuführen. Das heißt, das junge Mädchen hat auf ihren eigenen unbewussten Wunsch hin Krebs bekommen, weil sie in Wahrheit Angst vor Wasser und das tiefe Bedürfnis nach einer Mutter hat, die zu Hause für sie kocht, anstatt zu arbeiten.

Nach sieben Wochen Flucht quer durch Europa und zahlreichen Medienberichten über Olivia, die mittlerweile einen fußballgroßen Tumor in ihrem Bauch trug, gaben die Eltern dem Druck nach und kehrten zurück. Das Kind erhält die rettende Chemotherapie—oder, wie es auf der Homepage ihres Vaters, der auch ein detailliertes Tagebuch der damaligen Erlebnisse veröffentlicht hatte, liebevoll bezeichnet wird: „Zwangs-Chemo-Pseudotherapie“. Die Erklärung für die Heilung des Mädchens sei nicht der Chemotherapie anzurechnen, sondern Olivia habe sich bereits auf dem Weg der Besserung befunden, als die schulmedizinische Behandlung begann.

Heute gilt Olivia als geheilt—außer in den Augen der Heilgermanen. Ihnen zufolge stellt die Chemotherapie eine von den Juden erfundene Massenvernichtungswaffe dar, durch die sie endlich ihr großes Ziel der Ausrottung aller Nichtjuden erreichen und alle Ungläubigen eliminieren wollen. Der Wahnsinn geht noch weiter: Ziel der Schulmedizin sei es, giftige Mikrochips unter die Haut der Patienten zu pflanzen, die eine Tötung per Satellit erlauben. Quasi Genozid per Fernauslöser.

Als Beleg für seine Thesen führt Hamer an, dass „kein Jude Chemo“ bekommen würde. Weiter meint Hamer zu diesem Thema: „Lösen können wir die Konflikte nur dadurch, dass das alles Schwindel einer religiösen Mafia ist, deren Ziele es offenbar sind, Menschen zu quälen und zu eliminieren.“

Laut Univ.-Prof. Dr. Michael Freissmuth, Vorstand des Instituts für Pharmakologie und Physiologie an der Medizinischen Universität Wien, sind die Behauptungen der Germanischen Neuen Medizin um keinen wissenschaftlichen Zugang bemüht und daher wissenschaftlich völlig uninteressant. Das hält die Germanische Medizin aber nicht davon ab, auf ihrer Website fünf unumstößliche Naturgesetze zu postulieren, die ihre esoterisch verschrobenen Ideen auf den Punkt bringen sollen.

Dass die Germanische Neue Medizin, wie der Blogger Aribert Deckers in einer Liste auf ariplex.com dokumentiert, angeblich bereits 149 Todesopfer gefordert hat, ist ihnen wohl entgangen. Ihre „unendlich menschliche“ Heilkunde, die sich fälschlicherweise als Medizin bezeichnet, ist also offensichtlich alles andere als menschlich und ein antisemitischer Hokuspokus, der noch heute seinesgleichen sucht.

Hamer ist laut einem Artikel in Der Standard aus dem Jahr 1995 auch dafür bekannt, den Holocaust zu leugnen. Im Bereich der Medizin beschränkt er sich nicht nur auf Krebs. Behauptungen wie jene, dass Tumore keine Krankheit, sondern Sonderprogramme des Körpers nach einem traumatischen Schockerlebnis seien, stehen seinen Thesen bezüglich AIDS um nichts nach.

An der Immunerkrankung leiden seiner Ansicht nach nur Nichtjuden, da Juden durch ihre Beschneidung auf magische Weise davor gefeit seien, aber die Schuld an der Verbreitung des Virus tragen würden (Hamer meint, HIV sei eine Allergie, die von Smegma ausgelöst werde, wogegen man sich durch Beschneidung schützen könne).

Auch die Diagnosemethoden der Germanischen Medizin sind auf makabre Weise fast schon lustig. Hamer hat des öfteren Ferndiagnosen via Telefon gestellt und außerdem die Selbstdiagnose durch den Klatschtest erfunden. Dabei handelt es sich um eine Methode, mit der man laut Hamer allein durch das Händeklatschen eines Betroffenen dessen Krankheitsbild ermitteln kann.

Auch Medizinjournalistin Dr. Krista Federspiel, die sich in ihrer Laufbahn bereits eingehend mit der Germanischen Medizin und zahlreichen anderen Paramedizinverfahren beschäftigt hat, bezeichnet das Vorgehen Hamers als Gehirnwäsche. Sie meint, Anhänger dieser sektenähnlichen Gruppe, die ohne Kritik und Gegenfragen alles glauben, obwohl Hamers Behauptungen wissenschaftlich widerlegt sind, leiden an massivem Realitätsverlust.

Interessant ist auch die Krankengeschichte des Heilsversprechers selbst: Hamer litt in jüngeren Jahren an Hodenkrebs und ließ sich damals operieren. Nach eigenen Angaben würde er heute eine Operation aber selbstverständlich ablehnen.

Der Vater von Olivia, Helmut P., ist noch heute, obwohl er durch die Krankheit seiner Tochter eigentlich eines Besseren belehrt hätte werden müssen, einer der hörigsten Anhänger Hamers und hält im ganzen deutschsprachigen Raum Vorträge über die Germanische Neue Medizin. Kritik an der eigenen Überzeugung sehen die Anhänger jedoch nicht gerne und es gibt zahlreiche Berichte von Personen, die sich gegen die Germanische Heilkunde geäußert haben und in der Folge bedroht wurden."


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